Der Godfather der Hoaxes – Für eine Handvoll Dollar

Dies ist der erste Hoax, mit dem ich in Berührung kam, und ja, ich gebe es zu: Ich bin darauf hereingefallen und habe mir insgeheim schon ausgemalt, was ich mit den 1.000 Flocken so alles anstellen würde, dir mir versprochen wurden: Urlaub. Stereoanlage. Einen neuen Videorecorder.


Videorecorder? Ja, sowas gab es damals noch, man schrieb das Jahr 1997 und ich hatte gerade mein erstes Modem bei Macromarkt (Gab es damals auch noch) erstanden. Ein 33.6 Kbps state-of-the-art Gerät, mit dem man sogar Faxe versenden konnte. Angeblich. Schon einige Tage nach der Neuanschaffung trudelte eine E-Mail ein, deren Absender mir den Atem verschlug: Sie kam von niemand anderem als Bill Gates. Genau, der Bill Gates, vom Microsoft-Team, so stand es im Absender.

Und Bill schrieb mir Folgendes:

Hello Everyone,
And thank you for signing up for my Beta Email Tracking Application or (BETA) for short. My name is Bill Gates. Here at Microsoft we have just compiled an e-mail tracing program that tracks everyone to whom this message is forwarded to. It does this through an unique IP (Internet Protocol) address log book database. We are experimenting with this and need your help. Forward this to everyone you know and if it reaches 1000 people everyone on the list you will receive $1000 and a copy of Windows98 at my expense.
Enjoy.
Note: Duplicate entries will not be counted. You will be notified by email with further instructions once this email has reached 1000 people. Windows98 will not be shipped until it has been released to the general public.
Your friend,

Bill Gates & The Microsoft Development Team.

Gut – Heutzutage haut eine “nagelneue” copy von Windows98 niemanden mehr vom Hocker, aber damals war das was. Und dann die tausend Dollar…Inzwischen sind dankenswerterweise aber auch an die aktuellen Begebenheiten angepasste Versionen im Umlauf. Und die gehen etwa so:

Netscape and AOL have recently merged to form the largest Internet company in the world. In an effort to remain at pace with this giant, Microsoft has introduced a new mail tracking system as a way to keep internet explorer as the most popular browser on the market.
This Email is a beta test of the new software and Microsoft has generously offered to compensate those who participate in the testing process. For each person you send this email to, you will be given $ 5. For every person they give it to, you will be given an additional $3. For every person they send it to, you will be given $ 1.
Microsoft will tally all the emails produced under your name over a two week period and then email you with more instructions. This beta test is only for Microsoft Windows users because the email tracking device that contacts microsoft is embedded into the code of Windows 98, ME and XP.
I knowyou guys hate forwards. But I started this a month ago, because I was very short on cash. A week ago I got a mail from microsoft asking me for my adress. I gave it to them and yesterday I got a check in the mail for $ 800. It really works. I wanted you to get a piece of the action.
You won't regret it.

Jeder, der eine solche E-Mail in seinem Postfach hat, kommt schnell auf folgenden Gedankengang: Eigentlich ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass die Mail wirklich von Bill Gates kommt. Wahrscheinlich hat er tagtäglich besseres zu tun, als mir Emails zu senden. Andererseits: Wem tut’s schon weh, wenn ich tue wie mir geheißen, vielleicht ist ja doch was dran…

Und genau an diesem Punkt lohnt es sich, etwas innezuhalten, denn möglicherweise wurde die Frage danach wem das denn schon weh tut nicht vollständig korrekt beantwortet. Allgemein lässt sich zwar nicht die Frage nach dem “wem“, wohl aber die danach, “wie vielen” das weh tut, nämlich schon mathematisch beantworten: Nehmen wir an, “Bill” hat zunächst mal 1000 Leute angeschrieben, von denen 30% der Bitte “Forward this to everyone you know” folge leisteten, von denen dann wieder 30%.. und so weiter. Das sind eine Menge E-Mails, die eine Menge Traffic erzeugen, den irgendwer bezahlen muss. Eine Menge Leute müssen Zeit aufwenden, um diese Mails zu lesen, und diese wird ihnen in der Zeit von 9 bis 17 Uhr meist ebenfalls bezahlt. Von irgendwem.

Aber die 1000 Dollar!
Aber wie es eben so ist, Bedenken lassen sich bei entsprechender Entlohnung zerstreuen. Es geht ja immerhin um bares Geld – Oder?

Wer die Gier mal einen Augenblick abschaltet, dem könnten hier leise Zweifel kommen. Warum muss ich nirgendwo meinen Namen oder meine Bankverbindung angeben? Was für einen Sinn soll dieses System eigentlich machen und warum hat es so einen becknackten Namen? Vor allem: Wie sollen die E-Mails gezählt werden? Schließlich: Woher weiß ich, dass die ganze Aktion nicht längst abgebrochen wurde und alle ihr “piece of the action” bereits bekommen haben?

Sie ahnen es vielleicht spätestens jetzt: Weder Bill Gates noch AOL werden sie dafür entlohnen, dass sie anderen auf die Nerven fallen. Sie sind einem vermeintlich harmlosen Scherz aufgesessen – der so harmlos gar nicht ist, da er, wie oben erwähnt, reale, in Euro und Dollar messbare Schäden verursacht. Wenn sie eine wirklich gute Tat vollbringen, dann leiten sie die Mail dorthin weiter, wo sie hingehört, nämlich nach “/dev/null”, oder wie Bill Gates sagen würde: In den “Papierkorb”.