Die Illuminaten: Wer ist jetzt der Typ auf der Dollarnote?

Die Illuminaten oder: Wer ist denn nun der Typ auf der Dollar-Note?

Eine der wirklich großen Verschwörungstheorien lautet – sehr verkürzt – etwa so:

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich aus den so genannten Freimaurerlogen (Das waren Vereinigungen, die sich in der Tradition der Gewerkschaft der Pyramidenbauer im alten Ägypten verstanden) unter der Führung eines gewissen Adam Weishaupt Geheimbünde, deren Ziel letzten Endes die Erringung der Weltherrschaft war. Als die Mächtigen der damaligen Welt - Adel und Klerus - die Gefahr erkannten, die von den Freimaurern - die sich inzwischen "Illuminati" nannten, ausging, wurden die Logen verboten und zerschlagen. Diese operierten jedoch fortan im Geheimen weiter.

Weishaupt, nach "offizieller" (und damit "falscher") Lesart am 18. November 1830 in Gotha gestorben, emigrierte heimlich in die USA, wo er den Präsidenten eliminierte und selbst dessen Platz einnahm. Seitdem werden die USA - wenn nicht sogar die Welt - mitnichten von mehr oder weniger gewählten Präsidenten regiert, sondern eben von den Geheimlogen, denen viele illustre Persönlichkeiten und Dynastien zugeordnet werden, zum Beispiel die Bankiersfamilie Rothschild.

Die Beweise
“Beweise” für diese Geschichte gibt es zuhauf – glaubt man den Anhängern der Theorie. Diese bestehen in Mutmaßungen und zweifelhaften Schlüssen, was den Vorteil hat, dass die “Beweise” schwer wiederlegbar sind. Ein Beispiel: Es gab die Freimaurerlogen tatsächlich, und ebenso tatsächlich vertraten sie ein anderes Weltbild als das im 18. Jhd. von Klerus und Obrigkeit vorgeschriebene. Heißt das nun, dass die Logen die herrschende Ordnung stürzen und Weltherrschaft an sich reißen wollten? Hat nicht die Bankiersfamilie Rothschild engen Kontakt zu den Logen/ Illuminaten gehabt, und ist es nicht wirklich so, dass das Großkapital mehr Einfluss auf das Weltgeschehen hat, als so mancher Politiker?

Wer würde das bestreiten. Das es dafür aber andere Gründe geben kann (die möglicherweise sogar komplex und daher schwierig zu verstehen sind), blenden unsere Gläubigen gerne aus. Auch mit gesundem Menschenverstand kommt man nicht weit: Wenn Die Illuminaten das herrschende Klerikale System beseitigen wollten, weil ihnen religiöser Kult ein Greuel war, warum sind dann die USA einer der fundamental-religiösesten Staaten überhaupt? “Alles nur Mache, damit die Täuschung nicht auffliegt!” ist die Antwort, die man regelmäßig erhält (Und die bei manchen dazu führt, dass sie den eigenen Kopf immer wieder gegen die Wand schlagen möchten).

Aber wir wollen uns hier nicht mit den Einzelheiten der Illuminaten-Theorie beschäftigen. Unser Thema lautet: “Wer ist der Typ auf der Dollar-Note?”. Für unsere Illuminaten-Freunde ist spätestens seit dem Kinofilm “23-Nichts ist so wie es scheint” klar: Der Mann auf der Dollar-Note ist Adam Weishaupt. Genau, der Typ von oben, seines Zeichens Illuminatengründer – der ja, wie gesagt, heimlich (!) George Washington um die Ecke gebracht hat, um selbst Präsident zu sein.

In dem genannten Verschwörungs-Schocker läuft entscheidende Entdeckung so ab: Man sitzt abens zusammen und trinkt sein Bierchen, als man auf Verschwörungen zu sprechen kommt. Einer behauptet, dass das auf dem Dollarschein “gar nicht George Washington sei” pp., Man schlägt im erstbesten Brockhaus nach, und siehe da: Unter dem Stichwort “Adam Weishaupt” findet sich ein Foto, das, wenn man es spiegelt, angeblich verblüffende Ähnlichkeit mit dem Mann auf dem Geldschein aufweist. Theorie “bewiesen”. Schnitt.

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Ein-Dollar-Note: Wer ist der Typ?

Der Test
Bitte, lieber Leser. Entscheiden sie doch einfach selbst. Hoaxbusters.de stellt Ihnen in der Folge alles, was sie dazu benötigen, zur Verfügung.
1. Ein Geldschein. Hier erkennen wir eine handelsübliche Dollar-Note. Der Mann auf dem Bild stellt nach “offizieller” Lesart den ersten Präsidenten der vereinigten Staaten von Amerika dar, der nach ebenso offizieller Lesart “George Washington” hieß und ein Gebiss aus Nilpferdzähnen trug. Nach der Illuminaten-Theorie ist ist darauf aber Adam Weishaupt zu sehen, der Herrn Washington unter die Erde gebracht hat.

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Adam Weishaupt, 1748-1830

2. Ein bekanntes Protrait von Adam Weishaupt. Das Original ist das linke Bild, das andere ist eine gespiegelte Version – So hat die Haltung des Abgebildeten Ähnlichkeit mit der des Mannes auf unserem Geldschein. Was wir erkennen können, ist, dass man im 18. Jahrhundert offenbar eine Schwäche für Hippie-Frisuren hatte.

Was hoaxbusters.de nicht erkennen kann, ist eine verblüffende Ähnlichkeit mit der auf dem Dollar-Schein abgebildeten Person, obwohl einige unserer Verschwörungsfreunde sie auch an genau diesem Bild festmachen. Abgesehen davon, dass es sich hier um Gemälde – und nicht um Fotografien – handelt und deren Aussagekraft über die Ähnlichkeit zweier Personen schon aus Gründen stilistischer Ähnlichkeit der Bilder eher gering ist, bitten wir den geneigten Betachter, einmal einen genaueren Blick auf die Nase und Haaransatz von Herrn Weishaupt zu werfen.

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George Washington, 1732 – 1799

3. Hier sehen wir ein sehr bekanntes Protrait von George Washington. Sie kennen es irgendwoher? Nun, das rührt wahrscheinlich daher, dass dieses Portrait dem Bild auf der Dollar-Note extrem ähnlich sieht.

Vor allem die rechte – gespiegelte – Version. Achten Sie auf die Nase und den Haaransatz. Hm? Ist das die selbe Person, die auf den beiden oberen Portraits abgebildet ist? Bedenken Sie auch, dass sie die gespiegelten Bilder zweier Personen vergleichen.

Jetzt freuen Sie sich vielleicht und denken sich: “Ha! Diese Seite drucke ich mir aus und halte sie dem nächsten Spinner unter die Nase, die mir was von Bildern auf Banknoten erzählt!”

Das können Sie sich sparen. Jeder Verschwörungsfreund wird ihnen sagen:
Das beweist gar nichts. Denn es ist ja gar nicht gesagt, das es George Washington je gegeben hat, vielmehr könnte Weishaupt unter dem Namen ‘George Washington’ Präsident geworden sein. Und dann zeigen natürlich alle Washington-Portraits in Wirklichkeit Weishaupt.” – Ist doch logisch.

Bleibt die Frage: Wer ist dann der Typ auf den oberen beiden Portraits?
Und schon haben wir nicht nur keine Verschwörungstheorie entkräftet, sondern Stoff für eine neue geschaffen.

Und das ist der Grund, weswegen Sie gegen Conspiracy-Gläubige niemals gewinnen werden: Je abwegiger und weniger beweisbar eine Geschichte ist, desto besser passt Sie ins Verschwörungskonzept.