Heiratsantrag für Sandra (2005)

Kettenbriefe – Sie sind ein immerwährender Quell steter Freude für Hoaxbusters.de und so zahlreich, dass wir lange nicht mehr jeden uns bekannt werdenden Vetreter dieser Spezies mit einer Erwähnung würdigen. Herausragend, weil besonders ärgerlich, ist allerdings das Exemplar mit dem Titel “Heiratsantrag für Sandra”, dass seit Oktober 2004 unterwegs ist und zu allem Überfluss auch noch sein Ziel erreicht hat.

Es steht zu befürchten, dass Sandra und Ihr Zukünftiger uns in den kommenden Wochen auch noch in anderen Medien verfolgen und damit Nachahmer auf den Plan rufen werden – Daher sieht sich Hoaxbusters.de schon heute gezwungen, einen deutlichen Kontrapunkt zu setzen: Schön, dass Sandra “ja” gesagt hat – Verdient hast du es nicht, Unbekannter, der du ein Spam-Welle losgetreten hast.
Was hat es mit Sandra und Ihrem Verehrer auf sich?
Wie auf der URL http://www.heiratsantrag-fuer-sandra.de/ nachzulesen ist, hat sich Sandras Herzallerliebster, der sich – natürlich nur aus Sorge um Sandra – uns nicht namentlich vorstellt, etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um das Herz seiner Angebeteten endgültig zu erobern und sie zum “Ja”-Sagen zu bewegen: Er wollte nicht etwas so profanes, weil unromatisches tun, wie etwa bei ihr persönlich um Ihre Hand anzuhalten oder dem Sprecher eines Fußball- oder Eishockeystadions diese Aufgabe zu übertragen. Nein, für Sandra sollte es etwas ganz Spezielles sein:

Ein Heiratsantrag per Kettenbrief.

Unser romantischer Noch-Junggeselle schreibt also ein Gedicht (über dessen Qualität sich jeder sein eigenes Urteil bilden kann), kopiert dies in eine E-Mail und versendet das ganze – nicht ohne die Aufforderung, der Empfänger möge die Mail an alle Bekannten und Verwandten weiterversenden – an alle E-Mail-Adressen, die ihm so einfallen. Und das sind offenbar einige. Einige Wochen später erreicht die Kette tatsächlich Sandra, und es geschieht, was geschehen muss, jedenfalls was geschehen sollte: Sie erhört ihn.

Ende gut, alles gut? Leider nicht ganz, denn diese Art des Heiratsantrags ist so ziemlich die dümmste Idee seit Erfindung der Traumhochzeit. Ob Sandras “Herzbuben” klar ist, wie viele Spam-E-Mails seine Heiratskette erzeugt, wie viel Arbeitskraft sie vernichtet und wie viele E-Mail-User und Foren-Administratoren, die Sandras Liebster und seine privaten Interessen nicht im Mindesten interessieren, ein- oder mehrmals von seiner Spitzen-Idee genervt worden sind? Die Eingabe des Suchbegriffs “Heiratsantrag für Sandra” bei Google verschafft einen ersten Eindruck davon.

Ob er sich Gedanken über die Frage gemacht hat, wie er die Kette jemals wieder stoppen kann, wenn Sandra – wie geschehen – “ja” gesagt hat?

Sollten wir beim Lesen der romantischen Geschichte um Sandra und Ihren Antrag wirklich zu Tränen gerührt seufzen: “süüüß” ?

Die Anwort auf alle diese Fragen lautet offensichtlich “Nein”. Wir sollten den Kopf schütteln. Vielleicht wäre es an Sandra, ihrem Zukünftigen ein paar Takte zu seiner Aktion zu erzählen.

Über diese grundsätzlichen Erwägungen, die für jede Art von Kettenbrief gelten, hinaus hat sich auf Basis des Heirats-Kettenbriefs ein weiteres Ärgernis ergeben: Es existieren mittlerweile “gefälschte” Versionen, die nicht vom eigentlichen Urheber der Aktion, sondern von Dritten stammen, deren einziges Ziel dabei ist, die Empfänger auf eine gefälschte Heiratsantrag-für-Sandra-URL zu locken, wo diese für reichlich Einblendungen von Porno-Werbebannern sorgen. Auf diese Weise dürfte bereits der eine oder andere Euro zusammengekommen sein. Der Urheber der “echten” Sandra-Aktion mag daran erkennen, in wessen Gesellschaft er sich mit seinem Ketten-Antrag begeben hat.

Nun ist er ja bald unter der Haube und weitere ähnliche Aktionen sind jedenfalls von ihm nicht zu erwarten. Wir hoffen schon deshalb, dass es ein Leben lang hält.

Für alle übriggebliebenden Junggesellen, die in der Lage sind, ein Gedicht in eine E-Mail zu kopieren, gilt:

Verfallen sie bitte nicht auf die Idee, diese zweifelhafte Art der Romantik nachzuahmen. Kettenbriefe sind schädlich. Sie sind auch dann nicht mehr zu stoppen, wenn sich ihr Anliegen längst erledigt hat und stellen schon deshalb niemals eine angemessene Kommunikationsform für ernsthafte Anliegen dar. Bitte leiten Sie Kettenbriefe auch dann nicht weiter, wenn sie ein vernünftiges Anliegen zu haben scheinen.

Im Fall von Sandra und Ihrem Allerliebsten gilt darüber hinaus:

Sie hat bereits “ja” gesagt.