Small But Tough: Wirbel um VW Viral (2005)

Nicht jeder hat Verständnis für schwarzen Humor – Erst recht nicht, wenn der auf Kosten des eigenen Image geht. Dies befürchtet wohl auch der Volkswagen-Konzern in Zusammenhang mit einem im Internet kursierenden Video: Gegen einen Hoaxter, dessen gefälschter “Werbespot” für den VW Polo seit geraumer Zeit in Weblogs und Internetforen für Furore sorgt, erstattete die Wolfsburger Firma nun Strafanzeige.


Wirbel um gut produzierten Fake-Werbespot

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Zynisch: gefälschter Polo-Spot (Screenshots)

Die professionell produzierte Spot-Fälschung, die den Wirbel verursacht, zeigt einen arabisch aussehenden Mann (leicht zu erkennen am Palestinenser-Tuch), der in seinen VW-Polo steigt, und diesen nach kurzer Fahrt durch die Stadt vor einem Straßencafe anhält. Nach kurzem Innehalten drückt er einen Auslöser, um eine Autobombe zu zünden. Diese explodiert zwar, jedoch nur im Inneren des Fahrzeugs – ohne dass dies die Gäste des Cafes überhaupt bemerken. Danach erscheint in im bekannten Stil der Original-Werbespots das VW-Logo auf dunklem Grund, darunter der Schriftzug “Polo – Small But Tough” (“Polo – Klein aber zäh”).

Als sich das Machwerk in den letzten Wochen immer weiter Im Internet verbeitete, wurden auch die Medien darauf aufmerksam. Das Gerücht kam auf, das VW tatsächlich in die Produktion verwickelt sei. So gab einer der angeblichen Produzenten zu Protokoll, der Film sei sehr wohl für Volkswagen produziert worden, aber nur versehentlich an die Öffentlichkeit gelangt. Ist Zynismus neuerdings die Lebenseinstellung, die der Volkswagen-Konzern mit seiner Marke verbunden wissen will?

Sicher nicht. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass ein solcher “Werbe”-Spot, der geeignet ist, sein Produkt – ein eher konservatives Auto – zu schädigen, von einer seriösen Werbeagentur auch nur angedacht wird. Zwar mag man nun einwenden, dass der Streifen offensichtlich professionell produziert wurde und wahrscheinlich ein Budget von mehreren zehntausend Euro verschlungen hat – also schon deshalb kein Werk von Spinnern und Amateuren sein kann. Genau dies ist aber auch der Grund, weswegen keine tatsächlich für VW tätige Werbeagentur zur eigenen Belustigung einen solchen Spot entwickeln und damit noch den Verlust eines großen Kunden riskieren würde.

Glaubt man dem englischen Blatt “The Guardian”, so ist der Film von dem Britischen Filmemacher-Paar “Lee and Dan” produziert worden, die damit nach eigener Auskunft ihre eigenen Fähigkeiten gegenüber der “Industrie” dokumentieren wollten. Also ein Stück Selbst-Promotion, dass nun möglicherweise zum Boomerang wird. Denn der Volkswagen-Konzern dementiert heftig, irgendetwas mit der Entstehung des Bomben-Spots zu tun zu haben. Zu recht befürchtet man wohl einen Image-Schaden.

Nun also müssen sich Braunschweiger Staatsanwälte mit der Sache befassen und prüfen, ob sie die Filmemacher mit Ihrem Untergrund-Spot auf Kosten von VW strafbar gemacht haben. Für Volksverhetzung – einer der Straftaten, die hier in Betracht kommen – sieht das StGB eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor.

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