Klassiker: Mobiltelefone zu verschenken

Sie gehören zum Mailbox-Alltag wie Bittbriefe der “Little-Girl-Needs-Help”-Kategorie oder Warnungen vor dem Monservirus, das niemand je zu Gesicht bekommen hat: E-Mails, die versprechen, dass Nokia, Motorola, Ericsson oder Siemens Mobiltelefone zu verschenken haben. Sie möchten auch ein kostenloses Mobiltelefon haben? Dann haben wir einen wirklich heißen Tipp für Sie! Dieser lautet: Bitten Sie am besten einen Verwandten oder guten Bekannten, Ihnen ein Mobiltelefon zu schenken. Denn eine E-Mail wie die folgende wird sie ihrem Wunsch nicht näherbringen:



Das erreichte mich grad über diese eMail
anna.swelung@ericsson.com

die Firma Ericsson gibt kostenlos Handys aus! Kein Scherz!

Um der Marke Nokia entgegen zu setzen, die übrigens genau das Gleiche
macht, und um ihren eigenen Bekanntheitsgrad zu erhöhen, verschenkt
Ericsson nagelneue WAP-Handys.

Alles was zu tun ist, ist mindestens 8 Leute per E-Mail über die Aktion
in Kenntnis zu setzen. Etwa 2 Wochen später gibt’s dann ein neues
Ericsson T 18.

Bei der Verständigung von mehr als 20 Personen gibt es sogar ein R 320.

Wichtig: Eine Kopie Eurer Mail an <xxx>

 

Sofort fällt die Ähnlichkeit zur klassischen “Something for Nothing” - Hoax-Kategorie auf. Wir sollen etwas dafür bekommen, dass wir etwas absolut banales tun, ebenso wie etwa beim “E-Mail-Tracking”-Hoax oder der altruistischen Variante, bei der es darum geht, einem an Krebs oder welcher Krankheit auch immer erkrankten Kind das Leben zu retten. Alles, was man zu tun hat, ist möglichst vielen Menschen die E-Mail zukommen zu lassen. Darin erschöpft sich allerdings auch der Zweck der Nachricht: Niemand hat vor, Ihnen ein kostenloses Mobiltelefon zu verschaffen – Es geht dem Verfasser nur darum, sein Machwerk möglichst weit zu verbreiten. Es versteht sich von selbst, dass der Urheber der E-Mail mit den genannten Firmen nicht das Geringste zu tun hat.

Eigentlich brauchen Sie aber gar nicht uns, um selbst dahinter zu kommen, dass irgendetwas an diesem verlockenden Angebot nicht stimmen kann. Machen Sie sich doch mal den Spaß, auszurechnen, wie viele Telefone Motorola nach der oben beschriebenen Beispiel-Email kostenlos zu verteilen hätte. Hoaxbusters.de hat für Sie mal den Taschenrechner herausgeholt:

Nehmen wir an, die E-Mail wurde ursprünglich an 20 Adressaten versandt. Von den 20 Empfängern folgen nun 10% (das sind etwa 2) der Anweisung, die E-Mail weiterzuverbreiten und senden sie jeweils ebenfalls an 20 Adressen, was noch eher niedrig gegriffen sein dürfte (im durchschnittlichen Adressbuch finden sich wohl weit mehr Kontakte). Von den so Angeschriebenen reagieren wiederum jeweils 10 % so, wie es die E-Mail möchte – und so fort. Dann ergäben sich etwa folgende Lieferverpflichtungen für die wohltätige Handy-Firma: Erstes Kettenglied: 2 Telefone. 2. Glied: 4 Telefone. 3. Glied: 8 Telefone. 4. Glied: 16 Telefone. 5. Glied 32 Telefone, und so weiter und so fort.

Bereits im 10. Glied wären wir bei 2047 Telefonen, die Ericsson zu verschenken gedenkt. Nun steht in der E-Mail ja auch nichts davon, dass die Aktion irgendwann zu ende ist (oder war). Nehmen wir also an, dass die Kette durchschnittlich alle 2 Tage (wiederum eine eher vorsichtige Schätzung) ein neues Glied erreicht hat, würde die Anzahl der verschenkten Telefone nach 50 Tagen etwa 66.5 Mio. Stück betragen. Diese Zahl liegt um etwa 25 Mio. Stück über dem gesamten Jahresabsatz an verkauften (!) Mobiltelefonen von Ericsson im Jahr 2004 (ca. 42.5 Mio.). Und Hoaxbusters.de versichert Ihnen: Es gibt diese E-Mail schon wesentlich länger als 50 Tage, nämlich bereits einige Jahre. Wäre zutreffend, was darin steht, wären bereits sämtliche Hersteller von Mobiltelefonen von Ihrer eigenen Mildtätigkeit in die Insolvenz getrieben worden. Auch hätte Jedermann mitlerweile dutzende Geschenkt-Handys zu Hause herumliegen.

Sollten Sie unseren Rechenbeispielen nicht trauen, bleibt Ihnen immernoch die Möglichkeit, sich zum Beispiel die Stellungnahme von Ericsson zu dieser Art Hoax zu Gemüte zu führen – die ürbrigens vom 10. April 2000 stammt . Bitte fragen aber sie nicht bei “Anna Swelung” nach. Sollte diese Dame jemals bei einer der genannten Firmen gearbeitet haben, hat sie vermutlich keine Lust mehr, Ihre Frage zu beantworten.

Leiten Sie bitte auch diesen Kettenbrief bitte nicht weiter.