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Bereits seit Anfang 2004 kursiert ein Kettenbrief, der dazu aufruft, an einer so genannten "E-Petition" teilzunehmen. Neben dem Aufruf zur Weiterleitung der Mail findet sich darin eine URL, unter der die "Unterschrift" abgegeben werden soll - Angeblich bestehe nach einer "neuen EU-Richtlinie" eine Pflicht, Petitionen dann zu beachten, wenn diese mehr als 1.000.000 Unterschriften erzielen.
Zumindest die letzte Behauptung ist eindeutig eine Falschmeldung, also ein "Hoax". Unklar ist zudem, was mit den gesammelten Daten geschieht. | Der Text des Kettenbriefs sieht in etwa so aus:
Hallo.....
Das Thema Studiengebühren (weitere) klopft lautstark an die Tür. Tatsächlich besteht die Möglichkeit, dass diese früher kommen, als gedacht. Deswegen eilt zu folgender Homepage und tragt euch ein: http://www.foruni.de/petition/
Schickt das Ding an alle Hochschulen und Studenten, die Ihr kennt, weiter. Es geht hier um den Versuch, 1.000.000 Stimmen zusammenzukriegen (das Ding ist jetzt bei ca. 155.938, also etwa 1/10) - es gibt nämlich eine EU Richtlinie, wonach Petitionen, die von über 1.000.000 EUBürgern unterzeichnet werden, vom Gesetzgeber nicht übergangen werden können.
BITTE MACHT ALLE MIT!--
(Bitte beachten Sie zu neueren Varianten der "E-Petition" auch das Update am Ende des Beitrags.)
Eine EU-Richtlinie des genannten Inhalts existiert nicht. Aber selbst wenn es sie gäbe: Sie müsste in nationales Recht umgesetzt werden, damit sie für den einzelnen Wirkungen entfaltet. Dazu kommt, dass ein Eintrag in ein HTML-Formular kein Äquivalent zu einer "Unterschrift" darstellt, eine E-Petition also in diesem Zusammenhang überhaupt keinen Sinn macht. Der Kettenbrief ist also inhaltlich eine Aneinderreihung von Unsinn.
"...das Fehlverhalten einiger Studiengebührengegner..."
Nach eigenem Bekunden haben die Autoren der Petitionsseite übrigens nichts mit dem Kettenbrief zu tun - es handele sich um das "Fehlverhalten einiger Studiengebührengegner", gegen das man "leider nichts tun" könne, wie sie gegenüber Hoaxbusters.de per E-Mail wissen ließen. Das kann man ihnen abnehmen oder nicht - Ein Hinweis auf die Tatsache, dass die Hoax-Email blanker Unsinn ist - etwa auf der in der E-Mail genannten URL - wäre jedoch möglich und mittlerweile auch angebracht, insbesondere, da die beiden Aktivisten inzwischen "20 derartige Anfragen täglich" bekommen, wie uns weiter mitgeteilt wurde. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Fraglich ist im Übrigen, was mit den Daten geschehen soll, die in das bereitgestellte Formular eingetragen und gespeichert werden: Sicher ist einerseits, dass die erhobenen Daten für keine Petition irgend einer Art ausreichen (es fehlt jedenfalls die Angabe der Anschrift, die ebenso Voraussetzung für die Unterzeichnung einer Petition ist, wie die eigenhändige Unterschrift). Andererseits fällt auf, dass die Initiatoren recht sorglos mit den persönlichen Daten Ihrer Unterstützer umgehen: Diese sind nämlich für jedermann/frau über die genannte URL einsehbar.
Angaben zu den Verantwortlichen für die Aktion fehlen - abgesehen von zwei E-Mail-Adressen - vollkommen. Auch die Einverständniserklärung, die jeder "Unterzeichner" vor der Abgabe seiner "Unterschrift" akzeptieren soll ("mit meinem Eintrag in der Petitionsliste erkläre ich mich damit einverstanden dass meine Daten gespeichert werden und im Sinne des studentischen Protestes verwendet werden") wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.
Leiten Sie die E-Mail bitte nicht weiter.
Auch wenn das Ziel der Initiatoren ehrenwert sein mag: Leiten Sie den Kettenbrief nicht weiter, sondern entsorgen Sie ihn. Kettenbriefe sind kein adäquates Medium für seriöse Anliegen. Niemals. Wer einen Kettenbrief initiiert, stößt einen Prozess an, den er nicht mehr kontrollieren kann - Vermutlich wird auch dieses Machwerk immer noch im Internet kursieren, wenn Studiengebühren längst eingeführt - oder vom Tisch - sind.
Eintragen oder nicht?
Bleibt die Frage: Abgesehen vom Kettenbrief/Hoax - Lohnt es sich, sich für die gute Sache einzutragen? Nun, schaden werden sie damit, wenn überhaupt jemandem, nur sich selbst. in soweit handelt es sich also um eine reine Gewissensfrage. Es kann allerdings nur davor gewarnt werden, mit persönlichen Daten leichtfertg umzugehen und sie in zweifelhafte Formulare auf zweifelhafte Webseiten unter noch zweifelhafteren Einverständniserklärungen einzutragen.
Hinzuweisen ist dabei insbesondere auf Folgendes: Die Veröffentlichung der eingetragenen Daten ermöglicht geneigten Unternehmen auf vorzügliche Weise die Verdichtung Ihrer Adressdaten zu treffsicheren Kundenprofilen. Wenn sie uns fragen: Machen Sie einen großen Bogen um die Sache.
Update (22.05.2005):
Die Domain "foruni.de" wird mittlerweile nicht mehr für die E-Petition genutzt, auch scheinen die gesammelten Daten dort nicht mehr einsehbar zu sein. Seit Anfang 2005 kursieren jedoch Mails mit beinahe identischem Wortlaut, die auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Verbot von Studiengebühren Bezug nehmen und auf die Seite http://www.kein-spiel-mit-bildung.de/unterschreiben/index.html verweisen. Es gilt zu dieser neuen Spam-Variante uneingeschränkt das oben Gesagte: Eine solche "Petition" entfaltet keinerlei Wirkung - Abgesehen von Desinformation und Verunsicherung. Weder EU-Richtlinien noch die noch nicht ratifizierte EU-Verfassung sehen Regelungen, wie sie in den E-Mails behauptet werden, vor. Wenn Sie etwas gegen Studiengebühren unternehmen möchten, sparen Sie am besten Ihre Zeit und die Ihrer E-Mail-Kontakte für sinnvollere Aktionen und leiten Sie bitte auch die neue Variante nicht weiter.
Zur Klarstellung weisen wir noch auf Folgendes hin:
Soweit für uns ersichtlich, werden die Daten der "Petenten" auf der geänderten URL nicht mehr veröffentlicht, insoweit scheinen die Initiatoren der Petition auf kein-spiel-mit-Bildung.de (die ! nichts ! mit denen des Hoax zu tun haben müssen!) zumindest lernfähig zu sein. An der grundsätzlichen Einordnung des Kettenbriefs und entsprechender Foreneinträge als schädlichen Spam/ Hoax ändert sich dadurch aber nichts, ebensowenig wie an der Einschätzung, dass beide Aktionen als sinnlos und eher schädlich einzustufen sind. Falschinformation bleibt Falschinformation, vollkommen gleichgültig, wie "ehrenwert" die dahinterstehende Absicht sein mag.
Lesen Sie weiter: Über den Sinn von Petitionen | | | ZULETZT AKTUALISIERT: MI., 11.01.2006 |
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